Gestern hat die Besetzung des Bauplatzes des zukünftig größtem Hähchenschlachthofs Europas mit ihrer Räumung ihr Ende gefunden. Sämtliche Besetzer_innen wurde von der Polizei von dem Gelände entfernt und in die GeSa gekarrt; danach wurde der Versuch unternommen, das Gelände durch Sicherheitszäune und Securitys abzuschirmen, was den Aktivist_innen zu Folge aber mehr schlecht als recht gelungen ist. Das wirksame Mittel “Bauplatzbesetzungen” tritt nun also in einen neuen Argumentationsschirtt ein: Der Frage danach, wem Hänchenzucht- und Schlachtung schadet und wem sie nutzt.
Bei dem derzeitigen politisch-institutionalisierten Stumpfsinn, der inhaltliche Argumente nicht mehr gewohnt ist zu Kenntnis zu nehmen, sind Bauplatzbesetzungen eine wirksame Infragestellung der populären Phantasie, die besagt, dass ein Mensch alles machen dürfe, sobald er_sie sich als alleinige_r Eigentümer_in legitimieren kann. Das Grundgesetz und alle Arbeitnehmer_innenrechte stellen jedoch an Eigentümer_innen zahlreiche Ansprüche für ihr Tun. Moralische Diskussionen tun dies auch. Wirklich sinnvolle politische Ansätze stellen das Prinzip “Eigentum” in Frage und zeigen neue Denkhorizonte auf.
In einem Rechtsstaat sind die Regierung und ihre Verwaltung, ebenso ihre Polizei an Gesetze gebunden. Je präziser nun der_die Beobachter_in das jeweilige Tun in die institutionalisierte Herrschaftsordnung einzuordnen im Stande ist, desto mehr kann ein “Status Quo” hinterfragt werden. Ein Anfang einer präzisen Beobachtung soll hier versucht werden mit dem Hinweis auf die aktuelle Eskalation. Zunächst sollte dabei bedacht werden, dass eine solche Eskalation noch keinen Bürgerkrieg darstellt oder darstellen kann, vielmehr bewegen sie und ähnliche Situationen sich vollständig innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft. Grundsätze wie Verhältnismäßigkeit müssen auch hier gewahrt werden. Solidarität ist ebenfalls nicht kompliziert: Wer sich dort beteiligt, handelt eigenverantwortlich und hilft einer sachgerechten Diskussion auf die Sprünge. Eine Diskussion, die diese Gesellschaft aus Eigeninteresse führen sollte. In wieweit sind Prinzipien wie Ausbeutung, Mord und Futtermittelproduktion zu rechtfertigen?
Pressemitteilung: Räumung des besetzten Schlachthofgeländes in Wietze
Seit 6.00 Uhr versucht die Polizei das seit dem 24. Mai besetzte Baugelände des von der Firma Rothkötter geplanten Mega-Schlachthofes in Wietze zu räumen. Etwa 200 Polizist_innen versuchen derzeit 30 Besetzer_innen vom Grundstück zu entfernen. Damit soll der Firma Rothkötter der Weg geebnet werden, Anfang August mit dem Bau von Europas größter Hühnerschlachtfabrik zu beginnen. Im Zuge dessen müssten auch über 400 Mastanlagen in der Region entstehen, um diese zu beliefern.
Die Aktivist_innen versuchen auf verschiedene Art die Räumung zu verhindern. Mehrere Personen befinden sich angekettet auf drei Türmen, an Betonklötzen am Boden und in einem Bunker unter der Erde, wodurch die Räumung vorraussichtlich mehrere Stunden dauern wird. “Ich werde keine Gewalt anwenden, doch bis zum letzten Widerstand leisten und das Gelände nicht freiwillig verlassen”, so eine Aktivistin. Auf diese Weise handeln auch weitere Besetzer_innen, die versuchen, die Polizei auf kreative Weise an ihrem Vorhaben zu hindern.
Kontaktmöglichkeiten, sowie weitere Informationen:
Telefon: 0162 1966288
Internet: http://antiindustryfarm.blogsport.de/






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