Wie schon die Campus-Jusos angekündigt haben, fand diesen Freitag eine ganz besonders exzellente Veranstaltung mit Frau Ahnen und Herr Krausch statt: Die Vorstellung der baulichen Projekte auf dem Campus, featuring, neben vielleicht doch eher langweiligen Bekanntheiten wie dem Anbau an den Chemiereaktor, den Neubau für ein Forschungszentrum für “Lebenswissenschaften”: Dort lässt sich die Boehringer-Ingelheim-Stiftung in ihrem grenzenlosen Gespür fürs Allgemeinwohl dazu herab, 100 Millionen (!) Euro, freilich ganz uneigennützig, über einen Zeitraum von 10 Jahren zu investieren – das notwendige Gebäude, dass laut Herr Krausch gerade einmal 35 Millionen Euro kosten soll, fällt dann jedoch seltsamerweise nicht mehr unter diese Großzügigkeit, und wird daher vom Land finanziert werden. Aber es geht ja schließlich um die Stärkung des Standorts Mainz!
Ganz abseits der Zweifel, die man nun vielleicht daran haben mag, welche Bereicherungen unser “Leben”, für das dort geforscht werden soll, durch zusätzliche Organe und neuartige Pillen haben mag, erscheint dieses Projekt gleich in mehrfacher Hinsicht sehr fragwürdig:
- Bemerkenswert, dass einer privaten Stiftung derart viel Geld zur Verfügung steht, um damit staatliche Aufgaben, wie die Finanzierung einer Universität, zu übernehmen.
- Die Privatisierung der Universitäten wird hier sehr gut deutlich: Ob die Patente dieser Forschung nun in Hand der Uni verbleiben oder unter Berücksichtigung besonderer Umstände an bestimmte Anbieter verkauft werden, hat der Investor hier die Möglichkeit, die Ausrichtung der Forschung ganz nach seinen Interessen zu beeinflussen.
- Fast schon selbstverständlich erscheint es, dass eine Universität nun in einen Markt voller Verdrängungswettbewerb eintritt, bei dem es in erster Linie gilt, die Konkurrenz auszustechen. Die Folge ist naheliegenderweise, dass bevorzugt das gefördert und finanziert wird, was diesem Wettbewerb zu Gute kommt; dazu zu verstehen, dass der freie Geist einer Universität oder die Reichhaltigkeit an Fächern unabhängig von ihrer Verwertbarkeit nicht unbedingt die eigene Marktlage verbessert, gehört nicht viel.
- Von einer Stätte freier Bildung entfernt sich jetzt solch eine Universität immer weiter: Es steht nicht fest, inwieweit die dort Forschenden auch für die Lehre zur Verfügung stehen werden. Das neue LHG zumindest, das wohl bald verabschiedet werden wird, ermöglicht Mitgliedern eines Forschungskollegs, wie hier eines eingerichtet werden soll, eine Freistellung von der Lehre für bis zu 10 Jahren – passenderweise gerade der Zeitraum, für den die “lebens”wissenschaftliche Einrichtung nicht unwesentliche Summen von der Boehringer-Ingelheim-Stiftung empfangen soll.
- Dafür, allen Studierenden Masterplätze zur Verfügung zu stellen, steht währenddessen immer noch nicht genug Geld zur Verfügung.
Diese Liste lässt sich mit Sicherheit noch um einige Punkte ergänzen. Doch Rettung naht – natürlich in Gestalt des AK Protest©! Frau Ahnen und Herr Krausch wurden also, in permanenter Begleitung ihrer präsentativen Campusführung, in den die wettbewerbstaugliche Investition ganz selbstverständlich eingereiht wurde, mit lauten Jubel und tosendem Applaus seitens der Anwesenden AKler bedacht, sobald die Worte “Exzellenz”, “Wettbewerb” oder ähnliches fielen. Die arme Kultusministerin ließ sich dadurch auch sichtlich auf die Palme und aus dem Konzept bringen: Gegen Ende der Veranstaltung wandte sie sich an die Jubelchöre mit dem Hinweis, man könne doch glücklich sein, dass die Unis noch nicht vollständig in privater Hand sind. Eine Feststellung, die die Haltung der SPD erstaunlich präzise zusammenfasst.
Herr Krausch hingegen reagierte auf die Sabotage erstaunlich gelassen: Verständnisvoll teilte er vor laufender Kamera des CampusTV mit, er verfolge doch eigentlich fast “die gleichen Ziele” wie der AK Protest (aha?), und lud voll Strahlkraft zu Gesprächen ein, deren genaue Terminierung über Email koordiniert werden wird.
Bis dahin – oder wahrscheinlich auch danach – müssen wir wohl weiterjubeln.






Wie ist denn die Informationsstruktur, wenn man an diesem Vorgang interessiert ist?
(email-verteiler? regelmäßige treffen montags?)
Hiho!
Ich würde schon vorschlagen, das Treffen mit Herr Krausch, sollte er denn wirklich schreiben, nicht platzen zu lassen, dafür aber unglaublich gut vorbereitet dort hineinzugehen. Der Mann ist gleich zweifach im Vorteil. Einerseits ist er ein sehr guter Rhetoriker, andererseits treffen wir ihn gewissermaßen auf seinem eigenen Terrain: Von den Finanzen der Uni, den Bildungsfinanzen des Landes und ähnlichem weiß er wohl gut Bescheid und wird sicher versuchen, uns mit Zahlen klein zu schießen, um uns als uninformiert und damit unredlich argumentierend darzustellen. Wir sollten uns keine Blöße geben, wenn es um unsere Sache geht!