Eine neue Studie zur Zufriedenheit von Studierenden mit den Abschlüssen Bachelor und Master zeigt, wie sehr sich Studierende ein besseres Studium wünschen. Der Studie zur Folge lehnen mehr als zwei Drittel der in Bachelor- und Masterstudiengängen Eingeschriebenen die neuen Abschlüsse ab und würden gerne in anderer Form studieren. Befragt wurden mehr als 10.000 Studierende.
Durchgeführt wurde die Studie von Studierenden selbst, die sich im Umfeld einer Initiative des fzs (freier zusammenschluss der studenInnenschaften) zur Durchführung der Befragung entschlossen hatten. Das Problem, dem dabei entgegengewirkt werden sollte, ist die bei vielen Universitäten intern durchgeführte Evaluierung zur “Messung” der “Qualität” von Lehre – die geht nämlich oft an der Lebenswelt der Studierenden vorbei, verfährt schematisch und übersimplifizierend, und degradiert die Befragten zu Objekten der Datenerhebung. Tatsächlich förderte die Umfrage nicht nur zu Tage, dass erstaunlich viele Studierende den neuen Studiengängen sehr ablehnend gegenüber stehen, sondern auch, dass sie keine durch die Evaluierungsmaßnahmen erreichten Verbesserung sehen können. Gerade einmal 13% von ihnen sind der Meinung, dass die internen Datensammlungen der Universitäten Sinn und Zweck haben.
Die Aspekte der neuen Studiengänge nun, aufgrund derer sie abgelehnt werden, sind vielfältig – diese lassen sich jedoch unter zwei großen Schwerpunkten zusammenfassen: Wesentlich für den Wunsch nach einer anderen Form universitärer (Un-)Bildung sind ein Mangel an Autonomie und Selbstbestimmung bei der Studiengestaltung und finanzielle Nöte, die das Studium neuer Art mit sich bringt.
Erstgenanntes Problem äußert sich in verschiedenen Aspekten: So gaben im Gegensatz zu ihren KommilitonInnen in den alten Studiengängen besonders viele Bachelorstudierende an, unzufrieden mit der Einschränkung bei der Wahl ihrer Studieninhalte zu sein, was als deutlicher Hinweis auf die oft bemängelte bürokratische und engstirnige Fehlkonzeption von Studiengängen zu werten ist. Auch im bundesweiten Bildungsstreik forderten viele Protestierende die Rücknahme der Verschulung von Studiengängen, die im Zuge der Bolognareform einseitig und starr ausgerichtet wurden – dazu gehört beispielsweise auch die Modularisierung, die im Zusammenhang mit der zu hohen Arbeitsbelastung vieler Studiengänge, die die Studie ebenfalls belegt, z.B. Auslandsaufenthalte erheblich erschwert. Aber auch die Beteiligung in den verfassten Studierendenschaften, der universitären Selbstverwaltung und überhaupt in den Organen inneruniversitärer Demokratie leidet unter den neuen Grenzen, die ein Bachelor- oder Masterstudium steckt. Laut der Studie erachten Studierende auch nach der Bolognareform dieses Engagement als sehr wichtig, aber sind dort selbst weniger aktiv, als es Studierende in den alten Studiengänge waren und sind.
Was die Studienfinanzierung anbelangt, scheinen die Studierenden in Bachelor und Master ebenfalls von Nachteilen betroffen. Die Prüfungslast ist mit den neuen Studiengängen bekanntermaßen gestiegen, die Arbeitsbelastung hat zugenommen und wird von vielen als Hauptgrund dafür angegeben, ihre Regelstudienzeit überschreiten zu müssen. Für eine Arbeit zur Finanzierung des Studiums bleibt erwartungsgemäß nicht mehr viel Zeit; zu diesem Schluss gelangt auch die neue Studie, die ermittelt hat, dass Studierende der Bolognaabschlüsse im Vergleich mit denen der alten Studiengänge nicht mehr so oft einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Dies scheint auch im Zusammenhang mit der gesunkenen Anzahl an Auslandsaufenthalten zu stehen, die von gerade mal knapp 20% der Befragten als unwichtig angesehen werden – circa 80% gaben jedoch an, durch Finanzierungsprobleme an einem Aufenthalt an einer ausländischen Universität gehindert zu werden, und fast ebenso viele befürchten eine Verlängerung der Studienzeit. Deren Überschreitung ist besonders durch die parallel zu den neuen Studiengängen vielerorts eingeführten Studiengebühren sehr problematisch geworden. Erschreckenderweise ist aber die Zahl derer, die aus finanziellen Gründen überhaupt kein Studium aufnehmen, etwa gleich hoch, wie aus einer anderen, vom Spiegel veröffentlichten Studie hervorgeht: Demnach nannten fast 80% fehlende “nötige finanzielle Voraussetzungen” als Hinterrungsgrund, der sie von einem Studium abhält.
Auffällig ist schließlich, dass diejenigen, die noch unter einer Studienordnung, die einen der Prä-Bologna-Abschlüsse wie Magister oder Diplom vorsieht, studieren, durchweg zufriedener mit ihren Studiengängen sind und auch die größere Vielfalt bei der Wahl ihrer Studieninhalte zu schätzen wissen. Einzig die KandidatInnen für das Staatsexamen erreichen ähnliche Werte wie die Befragten in den neuen Studiengängen. Nicht verwunderlich also, dass diejenigen, die noch in die alten Studiengänge eingeschrieben sind, fast alle einen Wechsel in einen Bolognastudiengang ablehnen; was sollten sie denn auch für Vorteile erwarten?






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